„Die Franzosenzeit“ – aus der Chronik des Wolmirstedter Diakon J.G.F. Freydank

In alten Überlieferungen geblättert – Geschichten aus der Heimat.

Nacherzählt von Wolmirstedter Ortschronisten.

Junkerhof um 1930

Junkerhof um 1930

Vor zweihundert Jahren erlebten die Menschen in unserer Region die „Franzosenzeit“, über deren Ereignisse der Wolmirstedter Diakon J.G.F. Freydank in seiner Chronik berichtet hat. Sie endete am 6. Mai 1814 mit dem Abzug französischer Truppen aus der Festung Magdeburg und die Stadt wurde wieder preußisch. Sie gehörte wie Wolmirstedt bis zum Jahr 1807 zum Herzogtum Magdeburg des Königreiches Preußen, das am 14.Oktober 1806 bei Jena und Auerstädt von den Truppen des Kaisers Napoleon Bonaparte besiegt worden ist. Es musste im folgenden Friedensvertrag von Tilsit, neben anderen Teilen seines Reiches, alle linkselbischen Gebiete abtreten. Napoleon gliederte sie dem von ihm neu gegründeten Königreich Westfalen an, das er seinem jüngsten Bruder Jero’me übertrug. Hier wurde Magdeburg Regierungssitz des Elbe-Departements mit einer französischen Garnison und Wolmirstedt besaß im District Neuhaldensleben dieses Departements den Status einer Canton-Stadt. Im Verlauf des Befreiungskrieges brachten die Truppen der Verbündeten Magdeburg 1813 in eine isolierte Position und die Soldaten der Garnison unternahmen häufig Überfälle auf Ortschaften in der Umgebung Magdeburgs.

Junkerhof um 1930
Deshalb hatten dort die Einwohner durch Requirierungen und Plünderungen viel zu leiden. Auch Wolmirstedt war davon betroffen. Nachdem hier bereits am 10. Mai 1813 eine russische Kosakenabteilung erschienen war, besetzte preußische Landwehr und Kavallerie am 16. Dezember die Stadt. Am frühen Morgen des folgenden Tages wurde sie von den Truppen der Festung überfallen und die Preußen mussten nach einem kurzen Gefecht der Übermacht weichen.

Die Franzosen plünderten anschließend Häuser, Höfe und Ställe, mussten sich aber dann infolge eines Gegenangriffs preußischer Truppen wieder nach Magdeburg zurückziehen. Der Bürgerschaft entstand durch den Raub von Lebensmittelvorräten, Vieh und Sachwerten ein Schaden von 16 000 Talern und in der ehemaligen Stiftsabtei St. Katharinen am Kirchplatz wurde die Witwe des Jersleber Predigers Boether von einem Plünderer erschossen. Doch mit diesem Ereignis des Krieges war seine unheilvolle Auswirkung auf Wolmirstedt noch nicht beendet. Wie Diakon Freydank vermerkte, brach im Januar 1814 bei einquartierten preußischen Truppen ein bösartiges Fieber aus. Auf dem Gut Junkerhof und in der Stiftsabtei, beide befanden sich seinerzeit mit ihren Gebäuden zwischen dem heutigen Verlauf von Burgstraße, Vogelstange, Julius-Bremer-Straße und Bahnhofstraße, mussten Lazarette eingerichtet werden. Durch die Wolmirstedter Bürger gab es viel Unterstützung bei der Pflege erkrankter Soldaten. Trotzdem wurde eine große Anzahl von ihnen Opfer der Epidemie und auch einige der Helfer infizierten sich und starben.

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